Kalligraphie | Kakophonie

 

Kann eine Schönschrift hässlich klingen? 

 

In der neuen Ausstellung geht ARK Basel dem Gegensatz von Kalligraphie und Kakophonie auf den Grund und schickt das Auge auf eine ästhetische Entdeckungsreise. Der erfreuliche Zuwachs übernommener Nachlässe ermöglicht es dabei erstmals, gleich mehrere Künstlerinnen und Künstler in einer Präsentation zu vereinen. 

 

Im Zentrum der Gruppenausstellung steht das Lebenswerk von Alfredo Pauletto (1927–1985). Dazu gesellt sich ein kleiner Nachlass von Erica Schnell-Stettler (1940–2019) sowie eine in der Max Kämpf-Ausstellung vom vergangenen Herbst ausgeklammerte Werkreihe abstrakter Pinselzeichnungen. Ergänzt wird die Präsentation mit Arbeiten der noch immer tätigen Künstlerin Ursina Stratenwerth (*1924) und mit expressiven Bildstrecken des jungen Muttenzer Malers Oliver Jauslin (*1998). 

 

Der gemeinsame Nenner der Werke der fünf Kunstschaffenden findet sich in ihrer zeitweiligen Neigung zu kalligraphieverwandten Ausdrucksformen. Die entsprechenden Werke erinnern an Schrift und sind doch keine solche. Es fehlt ihnen nämlich ein entsprechender Kodex von Lauten und Bedeutungen. Statt der Verständigung zu dienen, lösen sich diese in reine Sinnfreiheit auf.

 

Kunsthistorisch ist das Ausstellungsthema im Bereich des Abstrakten Expressionismus, des Informel oder Action Painting zu verorten. Diese Leitströmungen der 1950er Jahre radikalisierten die Abwendung vom Literarischen und Gegenständlichen und versuchten im kreativen Prozess die Kontrolle des Verstandes zu unterlaufen. Der in manchen Exponaten bewusst angestrebte Kontrollverlust steht in schroffem Gegensatz zur hohen Übungskultur traditioneller Kalligraphie. Dieser unverfälschte gestische Selbstausdruck kann auch den Charakter einer Kakophonie annehmen – wird doch damit ein Gelingen als Ziel grundsätzlich in Frage gestellt.

 

Es ist eine Besonderheit der neuen Ausstellung von ARK Basel, dass Werke aus Nachlässen zusammen mit einer aktuellen künstlerischen Positionen zu sehen sind. In der Konfrontation erhalten die Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine unerwartete Aktualität, während der Sinn der Sammlungstätigkeit von ARK Basel visuell greifbar wird. 

Ausstellung

mit Alfredo Pauletto, Oliver Jauslin,

Erica Schnell-Stettler, Ursina Stratenwerth,

und Max Kämpf.


4.11.–26.11.2022

Zentrale Pratteln


Öffnungszeiten

Mi–So,  15–19 Uhr


Vernissage          03.11.2022, 17 Uhr


Finissage 26.11.2021, 14 Uhr


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